Der Rehatechnik Blog für Berlin & Brandenburg

Birgit Brink
Datum: 30.01.2019

Mit neuer Blickrichtung zum Erfolg

Zuerst wollte Birgit Brink sich eigentlich beschweren. Über fehlende Barrierefreiheit, über die Hindernisse, die sich ihr als Rollstuhlfahrerin in den Weg stellen und über die Beschränkungen, mit denen sie täglich Leben muss. Doch dann entwickelte sich ihr Blog in eine ganz andere Richtung und sie lernte ihre Blickrichtung zu ändern. Was dabei entstanden ist und wie Birgit Brink den Status quo der Barrierefreiheit einschätzt, hat sie uns in einem Interview erzählt.

Birgit, wie bist du auf die Idee gekommen einen Blog zu starten?

Auf die Idee, einen Blog zu starten, kam ich 2007. Die Einschränkungen durch meine progrediente MS zwangen mich immer öfter dazu, einen Rollstuhl zu nutzen. Genervt stellte ich fest, wie wenig barrierefrei Hamburg ist. Ich fühlte mich (und fühle mich auch heute noch) oft ausgeschlossen wegen unterschiedlicher Barrieren, die ich nicht so einfach überwinden kann. Allein wollte ich mit diesem Gefühl nicht bleiben und startete https://blog.behindernisse.de.
Vorher überlegte ich zusammen mit meinem Mann einen Namen. Dabei kam der Name „behindernisse“ heraus. Eine Wortschöpfung, die Hindernisse und Behinderung mixt.

Welche Themen behandelst du auf deinem Blog?

Anfangs hatte ich die Idee, mit dem Wissen vieler RollstuhlfahrerInnen Beispiele zu sammeln. Sie sollten von Unternehmungen berichten, die für sie wegen fehlender Barrierefreiheit nicht mehr möglich sind. Damit wollte ich die Öffentlichkeit auf fehlende Barrierefreiheit aufmerksam machen und hoffte, auch Fußgänger zu sensibilisieren und etwas ändern zu können. Diese Idee hat aber nicht geklappt. Es beteiligten sich wenige an meinem Blog.
Eine nahe Verwandte gab mir den Tipp, meine Blickrichtung zu ändern und nicht immer auf das zu schauen, was für RollstuhlfahrerInnen nicht funktioniert, sondern auf das, was funktioniert. Ich fand den Tipp klasse und sammle heute eher gute Lösungen, die für mich als Rollstuhlfahrerin funktionieren bzw. funktionieren würden.
Ergebnis ist nun eine Beitragssammlung, die eher aussieht wie ein buntes Sammelsurium. Jedoch überlege ich mir bei jedem Beitrag, egal, ob von mir selbst oder von einem Gast, ob er passen würde.

Wo hast du bisher die besten Rollstuhlbedingungen vorgefunden?

Ich habe noch nicht das absolut barrierefreie Ziel gefunden und bin nicht sicher, ob mir das gefallen würde. Denke ich an unsere (mein Mann und ich) letzten Urlaube, war die Reise in den Peak District in Großbritannien barrierefreier als die Reise in die Bretagne (Frankreich). Reisen innerhalb Deutschlands sind meistens noch weniger barrierefrei.
Die Reisevorbereitungen laufen bei allen Reisen ähnlich ab:

  1. Barrierefreie Ferienwohnung suchen (mit stufenlosem Zugang, bodengleicher Dusche mit Haltegriffen und Duschsitz, Toilette mit Haltegriffen)
  2. Wie weit sind zugängliche Einkaufsmöglichkeiten entfernt?
  3. Gibt es zugängliche Restaurants in der Umgebung?
  4. Welche zugänglichen Ausflugsziele gibt es in der Umgebung, hätten wir Lust, sie zu erkunden?
  5. Gibt es auch öffentliche RollstuhlWCs in der Umgebung?
Um die Punkte 1, 2 und 3 zu lösen, checke ich die Angebote und Informationen von regionalen Tourismusbüros. Finde ich dort Ferienwohnungen die passen könnten, schreibe ich den Vermieter direkt an und frage nach Details.
Um Antworten auf 4 und 5 zu bekommen, checke ich zunächst www.wheelmap.org. Auf dieser Webseite kann jeder Nutzer weltweit und kostenlos die Rollstuhlgerechtigkeit von Orten finden oder markieren. Für die Bretagne habe ich dort leider nichts gefunden und deshalb bei einer französischen Handicap-Seite auf Twitter nachgefragt. Auch diese Anfrage war nicht erfolgreich. Im Peak District machen anscheinend auch viele ältere Menschen Urlaub. Das Angebot war sehr viel besser.

Die Planung der Fahrt in die Bretagne (1500 km) übernahm mein Mann. Wir teilten die Reise in 3 Etappen mit 2 Zwischenübernachtungen in günstigen Hotels, die rollstuhlgerechte Zimmer anbieten, auf.

Mein Fazit ist, dass die Reisevorbereitungen für die Bretagne sehr zeitintensiv waren. Bei den Vorbereitungen für die Reise in den Peak District sind wir ähnlich vorgegangen. Wir fuhren am ersten Tag bis Rotterdam, übernachteten auf einer Fähre von Rotterdam nach Kingston-upon-Hull und fuhren anschließend in den Peak District. Die Informationen im Netz für Großbritannien sind besser als für die Bretagne, von daher waren die Vorbereitungen weniger zeitintensiv.

Positive Überraschungen gab es in beiden Ländern. Sowohl in Frankreich als auch in Großbritannien ist bei den öffentlichen WCs fast immer ein Rolli WC dabei. Die entsprechen zwar nicht unserer deutschen Norm, sind aber für mich erreichbar.

Toll finde ich die Rollstuhlparkplätze in Großbritannien. Rechts und links neben einem Rolliparkplatz sind ca. 80 cm breite, gelb markierte Flächen, die freigehalten werden müssen. So bleibt genug Platz zum Ein- und Aussteigen.
Spaß gemacht haben in Großbritannien auch die Wanderungen. Einige aufgegebene Bahnstrecken sind heute zu barrierefreien Wanderwegen umgebaut.

Und wo hast du die schlechtesten Bedingungen vorgefunden?

In Deutschland sind die Bedingungen sehr viel schlechter. Es ist schwierig, eine für mich geeignete Ferienwohnung zu finden, da es keinen einheitlichen Definitionen von „Barrierefreiheit“ gibt.

Manche Vermieter beschreiben eine Wohnung schon als barrierefrei, wenn man stufenlos hereinkommt. Auch die Suche nach Ausflugszielen, Restaurants und öffentlichen Rollstuhltoiletten ist oft wenig erfolgreich. Ich fühle mich oft ausgeschlossen und gestresst, weil Barrieren den Weg versperren, die oft leicht abzubauen wären.

Gut ist es für mich dort, wo ich verlässliche und aktuelle Informationen über barrierefreie Unterkünfte (mindestens 80cm breiten Türen, stufenloser Zugang, Toilette mit Haltegriffen, bodengleicher Dusche mit Duschsitz und Haltegriffen), barrierefreie Ausflugsziele in der Umgebung und stufenlos erreichbare Restaurants bekommt. Hilfreich ist auch eine Karte, in der Rolli WCs in der Umgebung angezeigt werden.
Sind keine geeigneten Informationen auffindbar, würde ich die Region gar nicht besuchen wollen. Das ist sehr schade, weil ich Vieles in Deutschland kennenlernen möchte.

Du bist studierte Stadtplanerin. Inwiefern beeinflusst deine eingeschränkte Mobilität deine Arbeit?

Ich bin Stadtplanerin, habe als solche mit der Diagnose MS jedoch keine Anstellung mehr gefunden. Nach meinem dritten erfolgreichen Studienabschluss hatte ich verschiedene Jobs in anderen Bereichen, die leider immer zeitlich befristet waren.
Alle Arbeitsplätze waren stufenlos erreichbar und vor der Tür gab es Rollstuhlparkplätze, Rolli WCs waren vorhanden.
Inzwischen bin ich gelegentlich im Home Office journalistisch tätig.

Was wünscht du dir für deine persönliche Zukunft?

Ich wünsche mir, dass die MS nicht weiter fortschreitet, sondern etwas zurückgeht. Außerdem wünsche ich mir, dass meine Fitness ausreicht, um neue Ziele zu erkunden. Das würde mir helfen, neugierig zu bleiben.

Hier geht es zum Blog von Birgit Brink: https://blog.behindernisse.de

Mehr Lebensqualität durch Yoga
Datum: 14.01.2019

Katja Sandschneider - Mehr Lebensqualität durch Yoga

Als Katja Sandschneider mit dem Yoga anfing war sie zunächst skeptisch. Durch eine Blutung im Rückenmark kam es kurz nach ihrer Geburt zu einer inkompletten Querschnittslähmung ihres Körpers, die Muskeln in ihrer rechten unteren Körperhälfte kann sie nur zu zwanzig Prozent benutzen. Ob es damit überhaupt möglich ist, Yoga zu praktizieren? Schon in der ersten Stunde fand sie heraus: Ja, ist es. Es war sogar nicht nur möglich, sondern eine regelrechte Befreiung aus einer Spirale ständiger Schmerzen und Verspannungen.

Heute hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, die positiven Auswirkungen des Yogas auch anderen Menschen mit Handicap nahezubringen. Jede Person, unabhängig von ihrer körperlichen Einschränkung, kann mitmachen. Alle Räumlichkeit sind gut mit Rollstuhl oder Rollator zu erreichen.

„Erkenne deine Fähigkeiten und lerne, sie zu nutzen.“

Katja Sandschneider konzentriert sich bei ihrer Yogapraxis konsequent auf die Dinge, die ihr Körper kann und nicht auf das, was er nicht kann. Anstatt an ihren Schwächen zu scheitern, baut sie ihre Stärken aus - eine Herangehensweise, die sie auch an ihre Yogaschüler weitergibt. Durch realisierbare, individuell angepasste Stellungen verhilft sie den angehenden Yogis zu einem besseren Körpergefühl, innerer Ruhe und mehr Stabilität.

Jeden Donnerstag von 18:30-20 Uhr kann jeder, bei vorheriger Anmeldung, in der offenen Gruppe teilnehmen. In kleinen Gruppen von maximal 10 Personen geht sie ganz individuell auf jeden ihrer Schüler ein und entwickelt die passenden Übungen.
Für Alle, denen der Weg nach Berlin zu weit oder zu beschwerlich ist, hat sie eine 75 minütige Audio CD aufgenommen, die Yoga in den eigenen vier Wänden ermöglicht.

Weitere Informationen, Anfahrt und Preise findet ihr auf: https://yoga-barrierefrei.de

Datum: 21.12.2018

Entspannte und besinnliche Feiertage

Ihr könnt uns auch über Weihnachten und Silvester in der Landsberger Straße 250 in Berlin besuchen kommen. Am 24.12. und 31.12. sind wir von 8 bis 12 Uhr für euch da!

Allen Freunden, Kunden und unseren Partnern wünschen wir angenehme Weihnachtsfeiertage und einen guten Rutsch ins Neue Jahr!

Datum: 20.12.2018

Checkliste: Bahnfahren mit dem Rollstuhl

Ein Rollstuhl sollte bei Bahnreisen prinzipiell kein Problem mehr darstellen. Nichtsdestotrotz gibt es einige Dinge, die du unbedingt beachten solltest! Wir haben für dich eine Checkliste mit den wichtigsten Punkten zusammengestellt:

1. Erst den Platz, dann das Ticket
Bei der Planung deiner Bahnreise ist es sehr sinnvoll zunächst den Rollstuhlplatz zu reservieren und erst dann das Ticket zu buchen! So vermeidest du, dass du dein Ticket wieder stornieren musst, wenn es keinen freien Platz mehr für deinen Rolli gibt. Bei Inhabern eines Schwerbehindertenausweises mit dem Merkzeichen B ist die Sitzplatzreservierung inklusive Begleitperson gratis.

2. Informieren geht vor Probieren
Generell gilt für das Reisen mit der Bahn: Die MSZ der Deutschen Bahn ist dein Ansprechpartner Nummer eins! Dort kannst du Informationen einholen, Serviceleistungen buchen, Plätze reservieren und Tickets kaufen. Die Hotline kostet 20-60 Cent pro Anruf (0180 6 512 512), gratis geht es per Mail (msz@deutschebahn.com).

3. Hilfeleistungen anmelden
Hilfeleistungen sollten spätestens bis 20 Uhr des Vortages der Reise angemeldet werden (Auslandsreisen: 48 Stunden). Leider sind diese Hilfestellungen nicht immer verfügbar. Abhängig von der Uhrzeit, der große des Bahnhofes und der Verfügbarkeit von Personal kann es Einschränkungen geben. Achtung: Die Anmeldung ist nicht immer ein Garant dafür, dass du die Hilfe auch bekommst - ab und zu kann es passieren, dass die Serviceleistungen von der DB kurzfristig storniert werden. Damit muss man leider rechnen.

4. Mit App und Broschüre gut vorbereitet
Die App der Deutschen Bahn „DB Barrierefrei“ kann ein hilfreicher Begleiter sein! Sie schickt wichtige Anzeigen und Durchsagen zur Reise als Textnachricht aufs Handy und informiert über Aufzüge und Rolltreppen und eventuelle Störungen. In Zukunft soll das Angebot noch ausgebaut und weiterentwickelt werden. Wir sind gespannt!

Weitere Informationen zum Thema findest du in dieser umfangreichen Broschüre der DB: https://www.bahn.de/wmedia/view/mdb/media/intern/reisen_fuer_alle_barrierefrei.pdf

Berlin Park Impression
Datum: 19.11.2018

4 Tipps zur Pflege deines Rollstuhls

Die richtige Pflege und Wartung verlängern das Leben deines Rollstuhls und erhalten die Qualität des Materials. Da der Rollstuhl aus so vielen Teilen besteht, gibt es dabei einiges zu beachten. Mit unseren 4 Tipps wird die Routine vielleicht sogar zum Vergnügen:

1. Deine Liste
Damit du eine gewisse Regelmäßigkeit in die Pflege deines Rollis bringst, empfiehlt es sich eine Tabelle anzulegen. Dort kannst du alle Wartungs- und Reinigungsarbeiten eintragen. Die Liste sollte die Spalten "Datum", "Was wurde gemacht" und "Anmerkungen" enthalten. So behälst du den Überblick!

2. Die Wartung
Generell gelten für die Wartung deines Rollis folgende Intervalle: Vor jeder Fahrt, alle 4-8 Wochen und einmal im Jahr. Vor jeder Fahrt solltest du die Reifen, den Luftdruck, Schrauben, Hebel und Stellräder und natürlich die Bremsen überprüfen. Alle 4-8 Wochen solltest du alle modularen und beweglichen Teile ölen und Schrauben festziehen. Mindestens einmal im Jahr ist die professionelle Wartung an der Reihe.

3. Die Räder
Gerade in der kälteren Jahreszeit kommen die Räder deines Rollis mit sehr viel Dreck in Berührung, den man nicht unbedingt in der Wohnung haben möchte. Leider gibt es noch nicht DIE Erfindung zur Reinigung der Räder. Solange musst du dir mit Handfeger und Reinigungsmatte behelfen. Entferne einfach den gröbsten Schmutz mit einer Bürste oder dem Handfeger (am besten draußen) und reinige die Räder dann auf der Matte.
Zusätzlich kannst du sogenannte Wheelchair Slippers über deine Reifen ziehen. Mit den Hausschuhen für den Rollstuhl schonst du deine Böden und verhinderst, dass du Dreck hineinbringst.

4. Die Reinigung
Auch dein Rollstuhl braucht ab und zu mal eine Dusche. Im besten Falle geschieht dies zwei Mal im Monat und natürlich immer nach Bedarf. Auf scharfe Reiniger kannst du dabei verzichten, dein Rolli begnügt sich mit einem Eimer Wasser vermengt mit etwas milden Reiniger, einem Putzlappen (Mikrofaser), einer technischen Pinzette, einer Reinigungsbürste und einem Staubsauger. Beim Reinigen solltest du aufpassen, dass kein Wasser in die Gelenke eindringt.

Mit der Pinzette kannst du Haare aus den Gelenken und Vorderrädern entfernen, die Bürste verwendest du für die Felgen und mit dem Sauger reinigst du alle Verspannungen und Bänder. Am Schluss empfiehlt es sich, mit einem Desinfektionstuch nachzuwischen. Besonders wichtig ist, dass du zunächst alle Teile gut trocknen lässt, bevor du sie wieder zusammenschraubst, um Rostbildung zu vermeiden. Achtung beim Zusammenschrauben: Achte darauf, die richtigen Schraubenlöcher in der Gabel zu benutzen!

wir gestalten mit Freude april agentur GbR.